Wirtschaftsmediation – vom Konflikt zur Lösung ohne gerichtliche Auseinandersetzungen

Konflikte im Unternehmen oder mit Geschäftspartnern belasten Mitarbeiter und Führungskräfte. Sie blockieren Entscheidungen, verhindern Veränderungen und verursachen Kosten. Mit Hilfe von Mediation können Konflikte außergerichtlich, selbstbestimmt und zukunftsorientiert gelöst werden.

Was bedeutet Mediation?

Mediation bedeutet Vermittlung. Eine Mediation ist ein strukturiertes Verfahren zur Konfliktschlichtung mit Hilfe eines Mediators als Vermittlungsperson.

Was ist das Ziel der Wirtschaftsmediation?

Das Ziel der Wirtschaftsmediation besteht darin, einen Rechtsstreit vor Gericht zu vermeiden und eine für alle Seiten vorteilhafte Regelung zu erarbeiten. Der Mediator unterstützt die Parteien bei der Entwicklung dieser Lösung und strukturiert die Verhandlungen auf eine zukunftsorientierte Lösung hin. Konflikte werden unter Wahrung der unternehmerischen und wirtschaftlichen Interessen sowie der Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehungen gelöst. Den Abschluss der Mediation bildet eine schriftliche, rechtlich verbindliche Abschlussvereinbarung in Form eines juristischen Vertrages.

Gibt es bestimmte Anwendungsgebiete für Wirtschaftsmediation?

Wirtschaftsmediation ist bei Konflikten zwischen Unternehmen, bei Konflikten mit Kunden, Lieferanten und Verbrauchern sinnvoll.

Im Unternehmen können Konflikte zwischen Mitarbeitern, Teams und Abteilungen sowie auf der Führungsebene mit Hilfe der Wirtschaftsmediation gelöst werden.

Weitere typische Themen für die Wirtschaftsmediation sind Fragen der Unternehmensnachfolge, Fragen der Haftung und Gewährleistung sowie Konflikte im Familienunternehmen.

Welche Vorteile hat Wirtschaftsmediation für ein Unternehmen?

Die Wirtschaftsmediation hat viele Vorteile gegenüber einem Rechtsstreit vor Gericht. Von besonderer Bedeutung ist die Kosten- und Zeitersparnis im Vergleich zu einem langwierigen Gerichtsverfahren.

Nicht zu unterschätzen ist die nervenaufreibende psychische Belastung eines Gerichtsverfahrens, die durch eine Mediation entfällt. Bei der Wirtschaftsmediation gibt es keinen Verlierer, denn am Ende steht eine gemeinsam erarbeitete Vereinbarung, die den Interessen der Parteien gerecht wird. Das Risiko einen Rechtsstreit zu verlieren gibt es dadurch nicht.

Da die Abschlussvereinbarung mit den Parteien gemeinsam erarbeitet wurde, führt sie zu tragfähigen Ergebnissen, so dass Folgestreitigkeiten vermieden werden können.

Bei Konflikten im Unternehmen wird durch die Wirtschaftsmediation ein positives Betriebsklima gewahrt oder, sollte es beeinträchtigt geworden sein, wiederhergestellt.

Offene und verdeckte Kosten, die aus ungelösten innerbetrieblichen und zwischenbetrieblichen Konflikten resultieren, werden vermieden.

Die Handlungsfähigkeit eines Unternehmens wird nicht beeinflusst, denn Streitigkeiten auf der Gesellschafter- oder Geschäftsführungsebene können innerhalb eines kurzen Zeitraumes behoben werden.

Struktur und Voraussetzungen der Wirtschaftsmediation als Instrument der Konfliktschlichtung in Unternehmen

Wirtschaftsmediation ist ein strukturiertes Verfahren zur Konfliktschlichtung mit Hilfe einer ausgebildeten Vermittlungsperson. Diese strukturiert die Verhandlungen auf eine zukunftsorientierte Lösung hin und unterstützt die Beteiligten bei der Entwicklung einer interessengerechten Lösung. Mit Hilfe von Wirtschaftsmediation kann eine rechtlich verbindliche Vereinbarung getroffen und ein Rechtsstreit vor Gericht vermieden werden. Die Anwendungsbereiche von Wirtschaftsmediation sind Konflikte im Unternehmen, zwischen Unternehmen und mit anderen Geschäftspartnern. Mögliche Themen sind beispielsweise: Konflikte mit Kunden und Lieferanten, Konflikte zwischen Mitarbeitern, Fragen der Unternehmensnachfolge und Fragen der Haftung und der Gewährleistung. Wirtschaftsmediation ist schneller und kostengünstiger als eine gerichtliche Streitentscheidung. Ein positives Betriebsklima bleibt gewahrt und langjährige Geschäftsbeziehungen können erhalten bleiben, wenn Konflikte mit Hilfe von Mediation professionell gelöst werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Mediation durchgeführt werden kann?

Die Teilnahme an der Mediation ist freiwillig, d.h. alle Beteiligten müssen zur Teilnahme an der Mediation bereit sein. Die Beteiligten entscheiden eigenverantwortlich, welche Themen sie besprechen und für welche Aspekte sie in der Mediation eine Lösung erarbeiten. Der Mediator unterstützt die Parteien darin, eine tragfähige Lösung für den Konflikt zu erarbeiten. Ein weiteres Kriterium ist die Ergebnisoffenheit, was bedeutet, dass die Beteiligten sich nicht schon vor der Mediation auf ein Ergebnis festlegen können. Die Informiertheit ist ein wesentliches Prinzip der Mediation. Die Beteiligten müssen über die rechtliche Lage und die Prinzipien der Mediation informiert sein.

Der Mediatior muss allparteilich, d.h. allen Seiten gleichmäßig zugewandt sein und darf nicht parteiisch sein. Die in der Mediation besprochenen Inhalte werden vertraulich behandelt und dürfen nicht in anderen Zusammenhängen gegen die Konfliktbeteiligten verwendet werden.

Wie ist ein Mediationsverfahren strukturiert? Der Ablauf der Mediation besteht aus 6 Phasen:

1. Vorgespräch und Mediationsvertrag: Die Mediation kann nur stattfinden, wenn die Beteiligten freiwillig an der Mediation teilnehmen und wenn die Erwartungen an das Verfahren geklärt sind. In einem Mediationsvertrag werden die Aufgaben und Kosten fixiert.

2. Informations- und Themensammlung: Die Beteiligten einigen sich über die Themen, die besprochen und für die eine Lösung erarbeitet werden sollen.

3. Interessenklärung: Die Interessenklärung ist die wichtigste Phase in der Mediation, in der die Interessen und Bedürfnisse, die hinter den Positionen der Beteiligten stehen, deutlich werden. Die Benennung der Interessen und deren Wahrnehmung durch die andere Partei eröffnet den Weg zu Lösungsoptionen.

4. Entwicklung von Lösungsoptionen: Die Interessenklärung führt in der Regel zu völlig neuen Lösungsmöglichkeiten. Die Beteiligten entwickeln gemeinsam eine Vielzahl von Optionen, die für die Lösung ihres individuellen Konfliktes hilfreich sein können.

5. Bewertung und Auswahl der Lösungsoptionen: Die verschiedenen Lösungsoptionen werden von den Beteiligten bewertet und überprüft, ob sie geeignet und umsetzbar sind. Am Ende dieser Phase stehen Lösungen, die den Interessen der Beteiligten gerecht werden.

6. Abschlussvereinbarung: Die Lösungen der Parteien für den Ausgangskonflikt werden in einer Abschlussvereinbarung in Form eines rechtlich verbindlichen Vertrages zusammengefasst.

Dr. jur. Alexandra Kasten
Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin
VUN-Profil

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