„Bilderbuch-Nachfolge“ planen, aber richtig: Ist der Azubi der richtige Nachfolger? Interessantes Fachgespräch in Schenefeld

Engels & Völkers gab bekannt, dass der Gründer des weltweit agierenden Immobilienmaklers das Staffelholz seinem ehemaligen Azubi Sven Odia weitergeben wird. Das Hamburger Abendblatt titelte „eine Bilderbuch-Nachfolge“. Dass das in der Praxis nicht immer so glatt läuft, erfuhren die Teilnehmer eines Fachgespräches, die auf Einladung der CDUnahen Schenefelder Mittelstandsinitiative MIT e.V. zusammen kamen. Die Veranstaltung „Nachfolge und Vorsorge“ fand im Wohnpark Rüpcke statt. Drei Experten erläuterten praxisnah, wie Unternehmer dafür sorgen können, dass der Generationswechsel in ihrer Firma gut von Statten geht. Dass hierbei der Faktor Mensch oft ausschlaggebend ist – neben den ganzen juristischen und ökonomischen Aspekten – wurde allen deutlich.

Zwei Fragen müssen hierfür im Kern beantwortet werden: Habe ich zum einen für den Notfall gut vorgesorgt und weiß ich zweitens, wie und wann ich mich als Senior aus meiner Firma lösen will und kann?

Anya Geest vom Team Geest der Continentale Versicherung in Schenefeld stellte ihren Nachfolgeordner vor. Privat wie betrieblich sollen die wichtigsten Dokumente verfügbar sein. 200 solche Ordner haben sie schon gefüllt, manchen gerade noch rechtzeitig. Rechtsanwalt Dr. Jan Freitag vom Verband für Unternehmensnachfolge VUN e.V. stellte die Notrufnummer des Verbands vor. Ähnlich wie beim ADAC soll im Notfall eine Hotline angewählt werden, womit ein Expertenteam inkl. Notar aktiviert werden kann, sofern die Angehörigen oder Mitarbeiter Hilfe brauchen. Das ist für 10€ Mitgliedsbeitrag keine schlechte Leistung. Sebastian Päsler vom Autohaus Päsler erzählte mitreißend, wie schwierig der Generationswechsel in der Praxis werden kann. In einem Expertendialog erfolgte in einem intensiven Austausch, wie Praxisprobleme gelöst werden können. So erzählte einer der Anwesenden von einem schwierigen Fall, bei dem erst beim vierten Notartermin die notwendigen Unterschriften geleistet werden konnten. Rechtsanwalt Freitag schilderte, wie Unternehmer versuchten, nach der Übernahme Mitarbeiter zu kündigen. Dass diese nach § 613 a BGB geschützt sind, sollten allen klar sein. Zu späte und unprofessionelle Vorbereitung und besseres Wissen könnte hier viel Leid ersparen. Wenn es menschelt, könnte ein in Nachfolgefragen erfahrener Mediator hilfreich sein. Der Staat fördert übrigens solche Prozesse mit dem Förderprogramm „Unternehmenswert Mensch“.

 

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