Der Dübel hält nicht: Nachfolgeregelung bei den Fischer-Werken gescheitert

Nachfolgeregelungen sind das Meisterstück für Unternehmer: Das was sich bei Deutschlands größtem Optiker Fielmann so gut anlässt (Vater 72 alt, Sohn 22 Jahre jung, gut ausgebildet und Trainee im Unternehmen seines Vaters), ist bei Deutschlands führendem Dübelhersteller gerade gescheitert. Sohn Jörg Klaus verlässt nach 15 Monaten die Geschäftsführung.

Das Produkt (die Fischerdübel) schaffen das im Kleinen so wunderbar nachhaltig. Sie bringen Unterschiedliches zusammen und sorgen für Halt und Dauerhaftigkeit. Aber in der Geschäftsführung hat es nicht geklappt. Bei den Fischerwerken GmbH & Co. KG – ihre Dübel dafür bekannt schwere Teile auch an laveden Wänden befestigen zu können – ist die schwierige Aufgabe der Geschäftsnachfolge vorerst gescheitert.

„Über die Ausrichtung und die Führung des Unternehmens habe es gravierende Unterschiede gegeben.“ Mit diesen Worten wird in der Bekanntgabe am 04.04.2012 begründet, dass Sohn Jörg Klaus Fischer (36 Jahre alt) nach 15 Monaten die Spitze des vom Vater übernommenen Unternehmens wieder verlässt. In „seinen“ Chefposten zurück geht der 61 jährige Vater Klaus Fischer, der in zweiter Generation 1980 die Firma 30 Jahre lang geführt hatte.

Die Entscheidung trifft in keine wirtschaftlich schlechte Situation der Firma: im vergangenen Jahr wurde der Umsatz um 4 % gesteigert (auf 606 Mio. €). So war die „einvernehmliche Trennung“ zwischen Junior und Senior wohl nicht Zahlen getrieben.

Für den Generationswechsel scheint es einen ernsthaften Versuch gegeben zu haben: 2005 beginnt der Sohn als Assistent des Vaters, 2007 übernimmt der die Verantwortung des Vertriebs im Raum Asien / Pazifik. Der Sprecher von Fischer berichtet davon, dass es bis vor wenigen Jahren nicht klar war, ob eine Nachfolgeregelung angegangen wird.

Für einen Eigentümerwechsel allerdings gibt es keinen Zeitplan. Der Vater hält 98% der Anteile an der Firma und ist zudem Vorsitzender des Beirats der Unternehmensgruppe, wodurch er der Besetzung von maßgeblichen Positionen zu jeder Zeit steuern konnte und kann.

Die Öffentlichkeit wird wohl den weiteren Prozess der Nachfolgeregelung nicht mit verfolgen können. Das Unternehmen hält sich da eher bedeckt. Erst nach einem Jahr seiner Beteiligung an der Geschäftsführung stellte sich der Sohn in der Öffentlichkeit vor mit Worten, die erahnen lassen, dass der Generationswechsel kein leichter Schritt sein wird. Dies wurde unterstrichen, als er Anfang des Jahres sagte: “Ich habe die Probezeit bestanden“.

Dass auch nach der Probezeit noch Überraschungen in Übergabeprozessen warten, ist spätestens jetzt klar geworden. Die Geschäftsführung durch einen externen Manager wird nun erwogen.

Dr. Katrin Jutzi
Organisationsberaterin, Coach
VUN-Profil

Quellen:

FAZ vom 24.04.2012: Generationswechsel bei Fischer gescheitert – Susanne Preuss
FAZ vom 24.07.2008: Steuerleid eines Mittelständlers – Susanne Preuss

 

 

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