Eltern sind gefragt: Entscheidungen der Unternehmerkinder nach ihrem Studium

Karriere in der Welt machen oder die Nachfolge der Eltern antreten? Angestellt sein oder die unternehmerische Verantwortung in der Traditionslinie übernehmen?

Eine Studie des Center for Family business der Universität St. Gallen in Kooperation mit Ernst & Young kommt zu repräsentativen Ergebnissen aus der Befragung von immerhin 28.000 Studenten aus 26 Ländern, deren Eltern ein Familienunternehmen führen. Als Haupttenor stellte sich heraus, dass die überwiegende Mehrheit (74 %) nicht die elterliche Nachfolge antreten will, sondern eine Karriere als Angestellte bevorzugen. Die Option, Nachfolger zu werden, scheint besonders den befragten deutschen Studenten nach dem Studium nicht attraktiv zu sein, denn nur 26 % der Befragten gaben an, über eine Nachfolge ernsthaft nachgedacht zu haben. Lediglich 4 % planen direkt nach dem Studium in der Familienfirma Nachfolger zu werden.

Gründe für die Präferenz, als Angestellter die ersten Karriereschritte zu machen, sehen die Studenten in den guten beruflichen Alternativen und attraktiven Chancen sowie der relativ geringen Verbindlichkeit von unternehmerischen Familientraditionen.

Doch ist die familieninterne Nachfolge oft die bessere Lösung: langfristig erfolgreich seien vor allem diejenigen Familienunternehmen, in denen mehrere Generationen die Firmenentwicklung verantworten, meint Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. „Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmerkinder haben im Betrieb der Eltern Berufserfahrungen und spezifische Branchenkenntnis gesammelt und dann eine fundierte Ausbildung an den Hochschulen erhalten“ und wären damit ideale Nachfolger. Wie ist diese Diskrepanz zwischen den geringen Ambitionen der potentiellen Nachfolger einerseits und ihren Potentialen für das Familienunternehmen andererseits zu lösen?

Die Eltern sind gefragt: Speziell die Unentschlossenen können für eine Nachfolge gewonnen werden, insbesondere dann, wenn die Eltern ein positives unternehmerisches Beispiel vorleben – so die Studie. Ergebnisloser scheinen rationale Argumentationen, denn wie die Studie herausstellt, beschäftigen sich die Unternehmerkinder eher selten mit einer möglichen Nachfolge. „26 Prozent der deutschen Studenten aus Unternehmerfamilien denken zwar ab und zu darüber nach, wie es wäre, das elterliche Unternehmen zu führen – aktiv werden sie aber nur sehr selten“ so Peter Englisch.

Eltern unterschätzen womöglich ihren Einfluss: In dem vielfältigen Geflecht der Einflussfaktoren auf die Entscheidung der Kinder spielen die Eltern eine große Rolle. 84 % der Befragten gaben an, dass ihnen die Meinung der Eltern wichtig ist. Die Mehrheit – 80 % der Befragten – vermutet, dass ihre Eltern positiv reagieren würden, wenn sie die Führung übernehmen würden.
Als „Modell“ sind die Eltern in einer wichtigen Rolle. Prof. Zellweger von der Universität St. Gallen meint dazu: „Unabhängig davon, wie sich Eltern zum Zeitpunkt des Studienabschlusses ihres Nachwuchses verhalten: Sie dienen langfristig immer als Rollenvorbilder. Das gilt im Positiven wie im Negativen. Erscheint das Leben der Eltern als Unternehmer unattraktiv und von großen Zwängen bestimmt, so werden sich Kinder seltener für eine Nachfolge entscheiden.“

Hilfe bei der Selbstfindung statt Druck ausüben: Ein Erfolg versprechender Weg ist, wenn sich Kinder zunächst in einem externen Feld ausprobieren: bei einer eigenen Geschäftsgründung zum Beispiel. In solchen Phasen ist die Unterstützung der Eltern durch Ressourcen, Kontakte, Tipps zur Unternehmensführung wichtige Beiträge und zukunftsträchtige Investitionen. Bei ihrer Entscheidung rund um Karriere und Zukunft sind Selbstverwirklichung und ein inspirierendes Umfeld für ihr Unternehmertum gewichtige Faktoren. Das sind doch auch im elterlichen Betrieb gestaltbare Faktoren!

„Manchmal ist einfach auch Geduld gefragt. Zunächst erscheint die Karriere in einem großen Konzern oder bei einer internationalen Beratungsgesellschaft viel attraktiver als der Einstieg in die elterliche Firma unter der Führung der Eltern (einmal Kind – immer Kind) und weit vom Schuss in der Provinz. Doch nach einiger Zeit wächst die Einsicht, dass die Zwänge eines Konzerns, die Eigenheiten von Vorgesetzten und der Formalismus in einer großen Organisation mit Intrigen und Mobbing den Glanz der Karriere trüben. Und dann steigt die Wertschätzung für das eigene Familienunternehmen und für die Chance, Entrepreneur zu werden.“ meint Dieter Lachenmaier, der im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Munich Business School (Kurs „Familienunternehmen und Unternehmensnachfolge) häufig mit studierenden Unternehmerkindern dieses Thema erörtert. Dieter Lachenmaier VUN-Profil

Quellen:

VR- Mittelstand direkt – http://www.mittelstanddirekt.de/home/gruendung_und_nachfolge/nachrichten
Pressemitteilung Ernst&Young – http://www.ey.com/DE/de/Newsroom/News-releases/20120521-Deutschen-Familienunternehmen-fehlen-die-Nachfolger
Link zur Studie Coming home or breaking free? 

Dr. Katrin Jutzi
Organisationsberaterin, Coach
VUN-Profil

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